Das mit den guten Vorsätzen kennen wir ja alle. Ich habe jedes Jahr welche, die ich nicht an die große Glocke hänge. Kennen wir ja auch alle: super Idee – miese Umsetzung.

Letztes Jahr habe ich mit einem Experiment gestartet. Ich hatte mir in der Weinnachtszeit von einem Vegan-Kochbuch-Guru ein Koch- und Fitnessbuch gekauft. Wohlgemerkt es war stark reduziert und ich habe eine sehr ambivalente Einstellung zu diesem Mitmenschen. Jedenfalls hatte ich mir vorgenommen die im Buch vorgeschlagene zweimonatige Challenge anzunehmen.

Das bedeutete zwei Monate kein Fleisch, keinen Industriezucker, keinen Weizen, keine Kartoffeln, kein Koffein, kein Alkohol, dafür Sport und Meditation. Ich hielt das für eine sehr gute Idee.

In diesen zwei Monaten habe ich eine ganze Menge gelernt. In der Rückbetrachtung kann ich festhalten, dass es mit die interessantesten zwei Monate in 2016 waren. Ich habe viele neue Lebensmittel und Zubereitungsarten kennengelernt, ich habe viele Süßigkeiten und viele Stücke Kuchen nicht gegessen, ich habe einen Koffeinentzug gemacht, ich habe viele Fitnessapps getestet und 205,5 km auf meinem Crosstrainer zurückgelegt.

Es hat mir Spaß gemacht, auch wenn ich meine Grenzen kennengelernt habe: jeden Tag meditieren bekomme ich nicht hin und der Umgang mit anderen Allesfressern kann echt hart sein. Ich wurde belächelt, angefeindet, es wurde versucht mich zu Fleisch und Kuchen zu überreden und ich musste viele Diskussionen führen weil ein „nein“ nicht gilt. Dafür habe ich mich fit und gesund gefühlt, war und bin heute noch stolz auf mich und habe in vielen Restaurants das großartigste Spezialgericht bekommen.

Das soll nur mal der Aufhänger zum Aufhänger für diesen Artikel sein.

Eine Kollegin erzählte mir im Sommer, dass Sie gerne vegan leben würde aber zu willensschwach und zu faul ist. Nachdem ich kommenden Januar und Februar wieder so manches von meinem Speiseplan tilge werde konnte ich Sie zum mitmachen motivieren. In der Mittagspause vor ein paar Wochen kam das Thema auf unser Vorhaben. Eine weitere Kollegin meinte dazu: „Krass, dann fastet Ihr Fleisch und Süßigkeiten und Alkohol!“

Ich war über diesen Ausspruch wirklich platt. Ich und Fasten? Ich und Entbehrung? Lächerlich!

Ich habe das nie als einen Verzicht angesehen, ich konnte jederzeit aufhören und ich habe hin und wieder ein Glas Wein getrunken oder ein Stück dunkle Schokolade gegessen. Ich habe es als bereichernde Erfahrung wahrgenommen und mit etwas Gutes getan. Etwas extra für mich und kein Verzicht.

Ich fand es schockierend, dass es so interpretiert wurde. Denn ich freue mich darauf ab nächster Woche nicht ständig der Versuchung von ungesundem Essen und zu viel Alkohol erliegen zu müssen.

Ich freue mich auf mehr Sport (neuer Crosstrainer ist gekauft und ich will ja zum Wandern fit werden), mehr Meditation, viele Kichererbsen, leckere Zucchininudeln, experimentieren in der Küche, voller Stolz „nein“ sagen und sich am Ende der zwei Monate gesünder und fitter zu fühlen.

Also zwei Monate ohne Verzicht, zwei Monate für mich, zwei Monate um militante Allesfresser zu ärgern, zwei Monate kreatives Tun in der Küche, zwei Monate Zeit einräumen für Sport, zwei Monate für meinen Körper.

Also sind es eigentlich zwei Monate in denen ich mir Zeit nehme für Dinge, die mir gut tun! Und das alles ganz ohne „Verzicht“.