Ich verbringe die ruhigen Tage des Jahres damit die gesammelten Blogartikel der letzten 12 Monate zu lesen. Es ist unglaublich, was sich da ansammelt. Man durchstreift die Apps und klickt auf Speichern und surft weiter und speichert. Nur in ca. 10% der Fälle lese ich einen Artikel gleich. Ich speichere meine Artikel und lese Sie dann in Blöcken. Sofort lesen kann ich diese nicht, weil ich mich im Rahmen meines Jagens und Sammelns nicht auf das Lesen konzentrieren oder mich einfach nicht genug dazu motivieren kann. Ist nämlich anstrengender als einfach nur den Newsfeed weiterzuschieben.

Heute haben sich Artikel über den süchtigen Umgang mit dem Handy, digitaler Minimalismus oder auch solche Buzzwords wie digitale Diät in meiner Tableiste gesammelt. Und nun?

Digitaler Minimalismus klingt wunderbar! Einfach mal das Handy ruhen lassen und sich auf das besinnen, das wichtig ist. Einfach mal den Gedanken nachhängen, Muse haben, geistig Entspannen oder eben die Konzentration auf nur eine Sache lenken. Herrliche Idee! Infos aus der Welt kann man auch in einem definierten Zeitfenster abrufen. Kein Problem. Die Kommunikation mit den anderen Menschen ist ein Problem und ich fürchte, dass digitaler Minimalismus dazu führen kann, dass man vereinsamt.

Führt digitaler Minimalismus zur Vereinsamung?

Das ist ist eine gewagte Frage und ich kann diese natürlich nie und nimmer wissenschaftlich belegen. Aber ich kann mir ein paar Gedanken dazu machen und diese aufschreiben.

  1. Meine Freundin Coco und ich, wir bereichern uns sehr in unserer Kommunikation. Wir helfen uns gegenseitig in schwierigen Situationen, wir beruhigen uns bei Panikattacken oder Sport-/Ernährungsthemen, bei Beziehungsfragen. Wie es halt so ist bei einer Mädchenfreundschaft (Schminkzeug lassen wir aus!). Nur, wie soll so eine Freundschaft über zwei Kontinente hinweg funktionieren, wenn nicht digital? Anrufen bekommen wir schon seit zehn Jahren nicht hin. E-Mails sind quasi Kommunikationsdinosaurier und wenn ich ehrlich bin war die Kommunikation zwischen uns noch nie so gut, wie seit Whats App. Ich möchte diese Freunschaft nicht weghungern.
  2. Die Generation Z ist eine weitere Hürde im digitalen Minimalismus. Dieser Generation gehören Kollegen an und auch einige viel ältere Freunde von mir, die sich eventuell etwas juvenil Verhalten. Verabredungen eine Woche vorher zu fixieren und sich daran zu halten scheint für diese Menschen sehr schwer. Bedeutet, dass ich mich zwar heute für eine Party nächste Woche verabreden kann, aber: a) wenn ich nicht die ganze Woche am Ball bleibe mit dem Thema, dann ist die Party plötzlich vergessen. b) wenn ich mich als Person nicht ausreichend digital zeige, dann werden die digital Aktiveren bevorzugt. c) wenn ich nicht den Irrsinn der stundenlangen Terminfindung mitspinne kommt kein Ergebnis heraus. (Wenn ich das so lese ist es noch viel erschreckender ich annahm!)
  3. Ich habe keine Alternativen. Ich telefoniere nicht so gerne, wenn dann nur als Zeitvertreib, wie Fernsehen oder Lesen, nicht zur raschen Kommunikation. Wie bekomme ich alternativ zum Chatten einen Austausch mit meinen Freunden und Bekannten hin? Dafür habe ich keine Lösung. Denn eigentlich will ich mich mehr vernetzen und nicht weniger.

Und nun sitze ich hier und hirne über den digitalen Minimalismus. Auf der einen Seite würde er mir sicherlich innere Ruhe bringe, auf der anderen Seite aber auch eine Menge äußere Ruhe, die ich gar nicht möchte.

Was meinst du dazu? Wie gehst du damit um?