Genau kann ich es gar nicht zuordnen, wann es angefangen hat. Aber irgendwie schleicht dieses Israel hinter mir her und ich will gar nicht entkommen.

Eventuell wird der eine oder andere Leser sich am Titel dieses Artikels stören – aber böse ist, wer böses denkt. Mir ist erst nach dem wiederholten Review des Artikels aufgefallen, dass dieser Titel irgendwie falsch verstanden werden kann. Ich bin begeistert von Israel und ich bin fasziniert von den Traditionen und der Kultur und natürlich der interessanten Mischung, die dieses Land ausmacht. Ich distanziere mich hier also bestimmt von irgendwelchen Geschmacklosigkeiten. Somit genug der typisch deutschen, vorauseilenden Entschuldigungstriade.

Angefangen hat der ganze Israel-Irrsinn, der mich aktuell befallen hat, wohl vor zwei Jahren im Urlaub in Polen. Dort bin ich das erste Mal bewusst mit dem jüdischen Glauben in Berührung gekommen. Meine Freundin und ich hatten ein günstiges Zimmer in einem kleinen Hotel im Jüdischen Viertel von Krakau. Das Viertel ist beliebt bei Studenten und Backpackern, da es günstige Unterkünfte bietet und dazu die schönsten Kneipen der Welt! Ich habe mich wirklich in dieses Fleckchen Erde verliebt. Ein Viertel aus Altbauten, Kneipen, kleinen Boutiquen, Antiquitätengeschäften, Cafes, Hamburgerläden. Quasi Prenzlauer Berg nur ohne Berlin. Das alles gesäumt von karibischem Wetter und bestem polnischen Bier (gleich nochmal verliebt!). Wir waren natürlich nicht nur am Genuß des polnischen Hopfensafts interessiert sondern auch an Kunst und Kultur. Wir begannen unseren Auflug mit einer Stadtführung durch besagtes jüdisches Viertel. Wir durchquerten Straßen und Plätze, kamen an den bekannten jüdischen Restaurants vorbei, an Friedhöfen und Tempeln. Zudem an der ehemaligen Emaillefabrik von Oskar Schindler. Darin befindet sich heute nicht nur ein Kunstmuseum sondern auch ein Museum über die Nazi-Besatzung der Stadt. Das Museum hat mich nachhaltig beeinflußt da es das Leben vor und während der Besatzung zeigt, den Alltag und den Horror. Seitdem sehe ich viel mehr den Menschen in seinem Umfeld, als nur Zahlen – Daten – Fakten, bei der Betrachtung der Vergangenheit. Immer geht es um Menschen, um Gute und nicht so Gute, um Gesundheit, Freude, Leid und die Liebe und alle diese Dinge.

In diesem Urlaub lernte ich so viel über die deutsche Geschichte und das Judentum, wie in den 30 Jahren zuvor nicht. Es war die volle „Breitseite“ zwischen Schläfenlocken und Auschwitz, zwischen orthodoxem Judentum und Holocaust, zwischen wunderbaren Traditionen und grausamer Geschichte. Diese Ambivalenz hält mich bis heute gefangen. Es überwiegt aber eindeutig die Faszination für das Judentum. Seit diesen zwei Wochen in Polen erkenne ich, was seit Jahren ungesehen vor meinen Augen war. Das öffentliche entzünden der Kerzen an Chanukka in meiner Heimatstadt, egal wohin ich in der Welt unterwegs bin fallen mit Dinge auf, die eng mit dem Judentum verbunden sind. Und es lässt mich meinen eigenen Glauben als Christ neu überdenken.

Und nach den zwei Wochen Urlaub war die Frage groß was jetzt eigentlich Israel mit dem Judentum zu tun hat. Wie hängt das zusammen mit dem Land, der Religion, dem Volk und was hat das mit den Konflikten zu tun? Den Palästinensern? Dem Gaza-Streifen?

Seit dem kläre ich diese Punkte für mich unermüdlich. Ich beschäftige mich mit der Religion an sich, mit den Traditionen, mit der Kabbala, der Geschichte, der Politik und den Auswirkungen, die es auf die ganze Welt hat, wenn in Jerusalem ein Sack Kichererbsen umfällt.

Und ich kann es auch nicht genau festmachen wann es war, als verschiedenen Prominente in Funk und Fernsehen berichteten, dass Israel das tollste Land der Welt sei. Ich erinnere mich nur noch an Andrea Kiewel, die mich seitdem multimedial mit ihrer Israel-Liebe belagert.

Ich habe meine Freundin gefragt ob wir wohl ein paar Tage nach Tel Aviv in den Urlaub gehen. Flugzeit nur vier Stunden, günstige Verbindungen und 14 km Sandstrand in einer hippen Stadt. Einen Kollegen habe ich ebenfalls gefragt, eine Freundin dazu. Und was ist dabei rausgekommen? Ich habe eine Gruppenreise nach Israel gebucht, alleine. Ich fliege im Frühjahr für eine Woche dorthin und freue mich unglaublich all das was ich bisher kennengelernt habe in der Realität zu sehen und noch vieles mehr kennenzulernen. Ich freue mich darauf die Wiege der großen Weltreligionen zu besuchen.

Und heute stolpere ich über einen alten Fragebogen, den Miriam Meckel vor einiger Zeit ausgefüllt hat, dort ist die Frage wo man ein Business eröffnen sollte: in Zürich, Tel Aviv oder Berlin. Da war es also wieder…völlig aus den Nichts. Tel Aviv!

Dieser Artikel soll der Auftakt sein zu meinen weiteren Israel-Erfahrungen. Ich freue mich auf den Trip nach Israel aber vorher will ich ein paar Brocken Ivrit (Hebräisch) sprechen und lese lernen. Weiterhin will ich mich noch näher mit dem Land und den Menschen dort auseinandersetzen, israelisches Radio hören, israelisches und jüdisches Leben um mich herum entdecken, Baba Ghanoush zubereiten und staunen!

Shabbat shalom!